Mario Schuster
This was published in the following publications on 11.04.2016:
Cuxhavener Nachrichten
Mario Schuster
* 15. November 1961
† 8. April 2016
Schweren Herzens müssen wir Abschied nehmen von unserem lieben Mann, Sohn und Vater.
Dieser besondere und liebe Mensch wird uns für immer in unseren Herzen begleiten.
Die Trauerfeier findet am 16. April 2016 um 11.00 Uhr im Forsthaus in der Wingst statt. Nach der
Beisetzung im engeren Familienkreis bitten wir zur Kaffeetafel. Von Blumen, Kränzen und
Beileidsbekundungen bitten wir abzusehen. Richards Text ist seinem Papa gewidmet und allen
Menschen und deren Angehörigen, die an dieser schlimmen Krankheit leiden.
„Das, was war, das war. Und das, was ist, das ist. Und das, was kommt, das kommt. Nur das, was bleibt, das
bleibt.“, hast du gesagt. Und ich frage mich, was es wohl wird, was bleibt, von dem, was war, von dem, was ist, und
von dem, was kommt.
Eins.
Das, was war.
Das, was war, waren Jahre voller Unbeschwertheit. Monate voller Zufriedenheit. Wochen voller Freiheit. Tage voller
Sicherheit. Stunden voller Heiterkeit und Minuten voller Leichtigkeit, bis zu den zwei Sekunden, in denen du dich
selbst in der ersten noch aufrecht im Spiegel, und in der zweiten schon zuckend auf den kalten Fliesen des Bodens, wiedergefunden hast. Das, was dann war, waren Minuten voller Ratlosigkeit, bis du dich, wie genau, das
weißt du nicht mehr, mit zittrigen Händen aus dem Badezimmer befreien konntest. Stunden voller Sorge, die du zunächst im Krankenwagen und anschießend in der Notaufnahme verbracht hast, bis deine Familie ankam im Krankenhaus und dich die Ärzte endlich untersuchten. Tage voller Unsicherheit, nachdem der erste Schock noch einmal nicht überwunden sein konnte, dass da etwas sei in deinem Kopf, was dann operiert, entfernt und in irgendein
Labor geschickt wurde, bis du erfahren solltest, dass es nicht schlimmer hätte kommen können, als dass es diese
Art des Krebses sei, die immer wieder käme und für dessen Heilung keine Chance bestünde. Wochen voller Befangenheit, in denen du dich eingesperrt fühltest in deinem eigenen Körper, der nicht mehr für, sondern jetzt
scheinbar gegen dich zu arbeiten schien. Wochen, in denen du oft aus der Haut fuhrst, aber doch nicht so, wie du
es wolltest. Wochen in denen du Dinge nachschlugst, die dich nur noch tiefer in das Loch trieben, in das du gefallen warst. Monate voller Verzweiflung, geplagt von Untersuchungen, Chemotherapien und Bestrahlungen, die
dich nicht nur innerlich, sondern auch so stark äußerliche veränderten, dass als du dich dann wieder aufrecht im
Spiegel sahst, du dich doch nicht wiedererkanntest. Jahre eingehüllt in ein graues Tuch, das sich über alles gesenkt hatte und selbst die hellsten Momente zu verdunkeln vermochte, sodass du nicht mehr sagen konntest, was
bleibt, was kommt, was ist, oder was war.
Zwei.
Das, was ist.
Das, was ist, ist der Tag. Und es ist völlig gleich, welcher Tag es nun genau sein sollte. Ob es Montag wäre, Dienstag, Donnerstag oder Sonntag wäre. Es ist egal. Das, was ist, ist der Tag. Ob Heilig Abend wäre, oder Siebenschläfer, oder Neujahr wäre. Es ist egal. Das was ist, ist der Tag. Und du kennst diesen Tag. Du kennst ihn seit vier Jahren. Und du weißt, dass dieser Tag immer gleich beginnt, nur weißt du auch, dass dieser Tag niemals gleich enden
wird. Das weißt du seit dem ersten Tag der zwei Jahre. Und das macht es nicht besser. Weder die Jahre - noch den
Tag. Das, was jetzt ist, ist das Morgengrauen, ist die Zahnbürste in deiner Hand und der Blick in den Spiegel, der
dich immer noch zeigt. Ist die Zugfahrt ins Klinikum, ist nur eine weitere Untersuchung, sagst du dir. Das, was ist,
sind die Gedanken an die letzten Untersuchungen, die positiv waren, aber auch der Pessimismus, gegen den du
nichts machen kannst, der in immer wiederkehrenden Schüben alles Gute und die Hoffnung zerschlägt. Das was
ist, bist du und die Last, die den Weg so schwer macht, aber auch sind es die Menschen, die den Weg mit dir gehen, die dir die Last nicht nehmen können, nicht einen Teil, denken sie. Das, was ist, ist deine Dankbarkeit, weil sie
es doch können, weil auch die Erkenntnis ist, dass du ohne sie schon längst unter Allem zerbrochen wärst.
Das, was ist, ist die Sekunde, in der sich die Türe öffnet, ist die Krankenschwester, die dich zum Doktor bittet, die
Auswertung sei fertig. Das, was ist, ist der Moment zwischen Gut und Schlecht, zwischen Allem und Nichts, zwischen Anfang und Ende, zwischen Hoffnung und Zerstörung. Das, was ist, ist die Angst, sodass du nicht mehr sagen kannst, was bleibt, was kommt, oder was ist.
Drei.
Das, was kommt.
Das, was kommt, wird sein. Es kann sein.
Kann sein, ein gutes Ergebnis, ein heller Moment.
Können drei weitere Monate sein, ein weiterer Sommer oder ein weiterer Winter.
Kann Freude, kann Freiheit, ein sich hebendes Tuch kann es sein.
Das was kommt, kann sein.
Kann sein ,ein schlechtes Ergebnis, ein dunkler Moment.
Können keine weiteren Monate sein, kein weiterer Sommer, kein weiterer Winter.
Kann Trauer, kann Verzweiflung, ein sich senkendes Tuch kann es sein.
Das, was kommt, kann sein. Es wird sein.
Es wird so ungewiss sein, sodass du nicht mehr sagen können wirst, was bleibt, oder was kommt.
Vier.
Das, was bleibt.
Das, was bleibt, ist das, was war, sind Jahre voller Monate, sind Monate voller Wochen. Das, was bleibt, ist das,
was ist, sind Wochen voller Tage, sind Tage voller Stunden. Das, was bleibt, ist das, was kommt, sind Stunden voller Minuten, sind Minuten voller Sekunden, die alles verändern können. Das, was bleibt, sind die Narben der Zeit in
diesem Spiegel - ist die Erinnerung.
In Liebe deine Frau Anne, deine Eltern Elfriede und Wilfried, deine Söhne Max und Richard mit Lena
und alle Angehörigen
End of content
No more pages to load
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs
10yrs